Ich hab mich heute Morgen hingesetzt und das Buch gelesen und eingeatmet.
Ich liebe die Struktur und die Aufmachung. Die persönlichen Beispiele der Autorin und den Schreibenden aus den Communitys find ich stark. Der Dancefloor-Prozess zeigt, wie lange Prozesse brauchen können und wie wichtig die geistliche Dimension ist.
Durch die Bibelstellen und konkreten Fragestellungen hab ich tatsächlich das Gefühl, dass es anwendbar ist und ich es auch als Nachschlagewerk für Mikroprozesse nehmen kann. Vor allem das Zitat „Man hat niemals Zeit., es richtig zu tun, aber immer Zeit es nochmal zu tun.“ zeigt auf, dass sich die Zeit lohnt und die Zeit braucht. Blinder Aktionismus führt zu Mehrarbeit und nicht zu einem gemeinsamen Wirkungsprozess.
Angetriggert hat mich das Fehler feiern – ich kann das ganz schlecht. Ich weiß, dass Fehler Helfer sind (wenn man die Buchstaben umstellt) und dass sie viel bringen – aber ich ertappe mich häufig, dass ich mit mir selbst nicht so fehlerfreundlich bin und mir wenig verzeihe. Auch in Prozessen.
Ich finde das Schreiben der Autorin stark motivierend, sich den Dingen zu stellen, ermutigend auf Gott zu schauen und auf sein Wirken zu hoffen. Hoffnungsvoll, dass verzwickte Situationen ganzheitlich lösbar sind – im Blick auf Beziehungen, Strukturen und geistliche Dimensionen.
Ich bin gespannt, wie mit eher weniger charismatischeren Gruppen oder Gruppen, die im Glaubensfindungsprozess sind, auch auf Gott hören oder hörendes Gebet möglich ist.
Schön fand ich das Loblied auf Vertrauen und auf tragfähige Beziehungen zu bauen und damit auch Prozessvertrauen zu gewinnen.
Danke an Thorsten Pfister aus dem Evangelischen Jugendwerk Leonberg für die Rezension!
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Was passiert, wenn wir Glaube nicht nur bekennen, sondern auch hinterfragen? Wenn wir Zweifel und Glaubensfragen nicht als Gefahr sehen, sondern als Einladung zum Meinungsaustausch?
Alicia Meinel hat mit dem Kartenset „Dive Deep“ ein Werkzeug entwickelt, das genau dazu ermutigt: offen über den Glauben sprechen – auch über unbequeme Fragen.
Dieser Satz sorgt für Unruhe. Er klingt ehrlich, vielleicht auch provokant. Und doch trifft er einen Nerv. Denn Hand aufs Herz: Wer hat sich nicht schon einmal gefragt, was diese alten, oft harten Geschichten uns heute noch zu sagen haben?
„Ich saß vor ca. zwei Jahren in einer Senioren-Bibelstunde.“, berichtet Alicia Meinel über die Entstehung des Tools. „Normalerweise war es ein Kreis, in dem weniger geredet wird. Aber an diesem Abend war es anders. Ich durfte – noch mitten in der Ausbildung – diesen Kreis besuchen und einen Abend lang gestalten. Welches Tema oder welchen Text hättest du gewählt? Ich entschied mich für eine positive Bibelauslegung der Geschichte von Sodom und Gomorra aus dem Alten Testament. Ja, genau. Es geht um eine der furchtbarsten Geschichten, die die Bibel zu bieten hat. Ich predigte über Hoffnung und Gastfreundschaft und die Gute Nachricht. Unbequem. Ungewohnt. Dann plötzlich begann eine Frau empört zu sprechen: ‚Was für eine grausame Geschichte! Ich konnte mit dem Alten Testament sowieso noch nie etwas anfangen!‘ Stille im Raum. Blicke. Dann Gemurmel. Dann weitere Äußerungen von anderen Teilnehmenden. Es schien für mich so, als ob sie zum ersten Mal offen über das Alte Testament sprechen.“
Jede und jeder von uns kennt Dürreperioden des Glaubens. Zweifel sind menschlich und schlaue Sprüche sagen, dass sie den Glauben vom Wissen unterscheiden. Trotzdem zehren solche Momente an unseren Kräften. Seit Jahrtausenden schließen sich deshalb Menschen auf der ganzen Welt zusammen, um Glauben zu teilen. Der Mensch ist nicht dafür geschaffen, allein zu sein. Es braucht die Gedanken anderer, die uns in der Krise neuen Mut geben. Es braucht andere, die mit uns über unsere Zweifel sprechen.
Über den Glauben zu sprechen, setzt Sprachfähigkeit voraus. Sprachfähigkeit braucht Reflexion, Austausch, Diskussion. Sprachfähigkeit braucht andere Positionen, denen ich zustimmen oder von denen ich mich distanzieren kann. Gerade bei Glaubensfragen stoßen wir da aber häufig an unsere Toleranzgrenzen. Zu persönlich scheinen Glaubensthemen, um nicht in eine Rechtfertigungshaltung zu fallen. Wir sehen es in der christlichen Welt immer wieder: „Mit denen will ich aber nichts zu tun haben! Die glauben ja gar nicht richtig!“ Und gleichzeitig hört man immer wieder den Wunsch: „Lasst uns doch das sehen, was uns eint, und nicht nur, was uns trennt.“ Wieso gelingt uns das so schlecht?
Alicia Meinel ist sicher: „Toleranz kann nur dort entstehen, wo unterschiedliche Positionen geteilt und gehört werden.“ Aus dieser Sichtweise und aus Erfahrungen wie in der Senioren-Bibelstunde ist schließlich „Dive Deep“ entstanden. Das Ziel ist wertschätzende Auseinandersetzung, wertschätzende Diskussion. Damit Sprachfähigkeit im Glauben passieren kann, damit wir im Zweifel füreinander einstehen können. Und wichtiger noch: „Ich bin überzeugt, dass tiefe Gespräche und das Reflektieren des eigenen Glaubens zu einer größeren Verbundenheit mit Gott führen.“
„Dive Deep“ stellt Fragen, die tief gehen. Es bietet praktische Anleitungen, Methoden und Ideen für die Umsetzung in der Gruppe oder allein. Ein bisschen christliches Vorwissen braucht es aber. Für eine Gesprächskultur, die nicht nur „richtig“ oder „falsch“ kennt, gibt es wertvolle und hilfreiche Tipps. So kann man sich auch nach Diskussionen, die hitzig ausfallen, hinterher noch auf das besinnen, was uns eint.
Du möchtest mehr über Dive Deep erfahren? Unter diesem Link findest du alle Infos.
Du möchtest mehr darüber lesen, wieso Alicia Meinel „Dive Deep“ entwickelt hat? Den ganzen Artikel findest du in der PlusPunkt-Ausgabe Frühjahr 2026. Über diesen Link kommst du zum Magazin.
Sinkende Mitgliedszahlen, immer dünner werdende finanzielle Mittel, Gebäude, die verkauft werden – die Kirche steht vor großen Herausforderungen. Gleichzeitig findet ein Bedeutungsverlust statt, Formate und Sprache entsprechen nicht mehr der Lebensrealität vieler Menschen. Vor allem junge Menschen scheinen sich nicht mehr mit ihrer Kirchengemeinde zu identifizieren. Dabei haben sie eine Stimme, die gehört werden will. Was es braucht, sind Erwachsene, die sie ernst nehmen.
Rund 88 % der gesamten Mitarbeiterschaft in Kindergruppen bestehen aus ehrenamtlichen Mitarbeitenden – eine unverzichtbare Größe. Dabei sind rund 23 % zwischen 16 und 17 Jahre alt, 36 % zwischen 18 und 26 Jahren und 30% über 27 Jahre (Jugend zählt 2, S. 169). Sie gestalten demnach maßgeblich die Arbeit in der Kirchengemeinde mit.
Im Geleitwort zur groß angelegten Studie „Jugend zählt 2“ betonen Carmen Rivuzumwami und Wolfgang Schmidt: „Junge Menschen sind die Gegenwart von Kirche, weil sie schon jetzt in den unterschiedlichen Formen christlicher Gemeinschaft mitleben, mitglauben, mitgestalten, und Kirche mitbewegen. Damit Jugend wirklich in der Kirche zählt, sind entsprechende Rahmenbedingungen notwendig, die Partizipation und Teilhabe ermöglichen und stärken.“ (Jugend zählt 2, S. 18).
Trotzdem tragen sie wenig Verantwortung bei der Gestaltung von Kirche, sie sind wenig in Gremien und Leitungspositionen vertreten (Jugend zählt, S. 195).
Häufig scheitert es nicht am Wollen, sondern am konsequenten Ermöglichen. „Oft wird geglaubt, symbolische Gesten seien ausreichend oder Hauptamtliche könnten die junge Generation bereits genügend vertreten“ (Verantwortung jünger denken, S. 15).
Dabei kann die Beteiligung junger Menschen viel bewegen: „Ihre Ideen und Expertisen eröffnen neue Perspektiven, machen Kirche vielfältiger, kreativer und lebendiger. Mit Jugendbeteiligung arbeiten alle zusammen: Jung und Alt, frisch dabei oder alte Hasen“, meint Lara Sobbe, eine der Herausgeberinnen von „Verantwortung jünger denken“. Burkhard Schemm, ein weiterer Herausgeber, meint: „Oft äußern Jugendliche ihre Wünsche nach mehr Beteiligung gar nicht, weil sie denken, es sei ohnehin nicht erwünscht. Mangelnde Nachfrage kann also auch Resignation sein, nicht mangelndes Interesse. Wenn wir junge Menschen heute ermutigen, Kirche mitzugestalten, investieren wir in eine lebendige Gemeinde von morgen.“
Das ist auch die Motivation für „Verantwortung jünger denken“. Sie wollen damit ein Arbeitsbuch, eine Ideensammlung, einen Impulsgeber schaffen, um auf mehr Partizipation in Kirche aufmerksam zu machen. Sie sind sich sicher: „Beteiligung ist mehr als ein Prinzip – sie ist Ausdruck von Vertrauen, eine Einladung zur Verantwortung und gelebte Gemeinschaft.“
Was Kirche braucht, ist kein Generationenwechsel, sondern ein generationenübergreifendes Miteinander. Bianca Rolf erklärt das so: „Jugendbeteiligung bedeutet nicht, dass meine oder deine Meinung weniger zählt. Es hilft zu verstehen: Wir erweitern den Kreis derer, die gehört werden. Jugendliche bringen frische Perspektiven ein – das ergänzt Erfahrung und Tradition, anstatt sie zu verdrängen. So entsteht ein Miteinander, dass Kirche lebendig macht.“
„Verantwortung jünger denken“ ist kein Rezeptbuch, aber eine Zutatensammlung. Es liefert keine universellen Lösungen, sondern Perspektiven, Werkzeuge und Ideen für die Gemeindeentwicklung. Was dann noch fehlt, ist Mut und eine Änderung der Haltung. Leichter gesagt als getan. Wie gut, dass wir nicht allein sind in unserem Tun: „Tiefgreifender Wandel in Jugendarbeit und Gemeinde wird nicht durch sorgfältig formulierte Leitsätze geschehen, sondern durch Änderung des Herzens und damit der inneren Haltung. Auch dafür, wie für den ganzen Prozess der Veränderung und Erneuerung, dürfen wir auf die schöpferische Kraft des Heiligen Geistes und auf seine Hilfe vertrauen“ (Zusammen wirken, S. 70).
Im Artikel wurde zitiert aus:
Ilg, Wolfgang / Kuttler, Cornelius / Sommer, Kerstin (Hg.): Jugend zählt 2. Einblicke und Perspektiven aus der Statistik 2022 zur Arbeit mit Kindern und Jugendlichen in den Evangelischen Landeskirchen Baden und Württemberg und ihrer Diakonie, buch+musik, Stuttgart 2024. Weitere Infos zum Buch findest du unter diesem Link.
Seidel-Humbuger, Ilse-Dore: Zusammen wirken. Veränderung gelingt nur gemeinsam! Methodische Prinzipien und Geistliche Perspektiven, buch+musik, Stuttgart 2024. Weitere Infos zum Buch findest du unter diesem Link.
Rolf, Bianca / Sobbe, Lara / vom Schemm, Burkhard: Verantwortung jünger denken. Jugendbeteiligung in Kirche vor Ort erlebbar machen – gemeinsam leiten, buch+musik, Stuttgart 2026. Weitere Infos zum Buch findest du unter diesem Link.
Das ganze Interview mit den Herausgebenden von „Verantwortung jünger denken“ findest du in der PlusPunkt-Ausgabe Frühjahr 2026. Über diesen Link kommst du zum Magazin.