Was passiert, wenn wir Glaube nicht nur bekennen, sondern auch hinterfragen? Wenn wir Zweifel und Glaubensfragen nicht als Gefahr sehen, sondern als Einladung zum Meinungsaustausch?
Alicia Meinel hat mit dem Kartenset „Dive Deep“ ein Werkzeug entwickelt, das genau dazu ermutigt: offen über den Glauben sprechen – auch über unbequeme Fragen.
Dieser Satz sorgt für Unruhe. Er klingt ehrlich, vielleicht auch provokant. Und doch trifft er einen Nerv. Denn Hand aufs Herz: Wer hat sich nicht schon einmal gefragt, was diese alten, oft harten Geschichten uns heute noch zu sagen haben?
„Ich saß vor ca. zwei Jahren in einer Senioren-Bibelstunde.“, berichtet Alicia Meinel über die Entstehung des Tools. „Normalerweise war es ein Kreis, in dem weniger geredet wird. Aber an diesem Abend war es anders. Ich durfte – noch mitten in der Ausbildung – diesen Kreis besuchen und einen Abend lang gestalten. Welches Tema oder welchen Text hättest du gewählt? Ich entschied mich für eine positive Bibelauslegung der Geschichte von Sodom und Gomorra aus dem Alten Testament. Ja, genau. Es geht um eine der furchtbarsten Geschichten, die die Bibel zu bieten hat. Ich predigte über Hoffnung und Gastfreundschaft und die Gute Nachricht. Unbequem. Ungewohnt. Dann plötzlich begann eine Frau empört zu sprechen: ‚Was für eine grausame Geschichte! Ich konnte mit dem Alten Testament sowieso noch nie etwas anfangen!‘ Stille im Raum. Blicke. Dann Gemurmel. Dann weitere Äußerungen von anderen Teilnehmenden. Es schien für mich so, als ob sie zum ersten Mal offen über das Alte Testament sprechen.“
Jede und jeder von uns kennt Dürreperioden des Glaubens. Zweifel sind menschlich und schlaue Sprüche sagen, dass sie den Glauben vom Wissen unterscheiden. Trotzdem zehren solche Momente an unseren Kräften. Seit Jahrtausenden schließen sich deshalb Menschen auf der ganzen Welt zusammen, um Glauben zu teilen. Der Mensch ist nicht dafür geschaffen, allein zu sein. Es braucht die Gedanken anderer, die uns in der Krise neuen Mut geben. Es braucht andere, die mit uns über unsere Zweifel sprechen.
Über den Glauben zu sprechen, setzt Sprachfähigkeit voraus. Sprachfähigkeit braucht Reflexion, Austausch, Diskussion. Sprachfähigkeit braucht andere Positionen, denen ich zustimmen oder von denen ich mich distanzieren kann. Gerade bei Glaubensfragen stoßen wir da aber häufig an unsere Toleranzgrenzen. Zu persönlich scheinen Glaubensthemen, um nicht in eine Rechtfertigungshaltung zu fallen. Wir sehen es in der christlichen Welt immer wieder: „Mit denen will ich aber nichts zu tun haben! Die glauben ja gar nicht richtig!“ Und gleichzeitig hört man immer wieder den Wunsch: „Lasst uns doch das sehen, was uns eint, und nicht nur, was uns trennt.“ Wieso gelingt uns das so schlecht?
Alicia Meinel ist sicher: „Toleranz kann nur dort entstehen, wo unterschiedliche Positionen geteilt und gehört werden.“ Aus dieser Sichtweise und aus Erfahrungen wie in der Senioren-Bibelstunde ist schließlich „Dive Deep“ entstanden. Das Ziel ist wertschätzende Auseinandersetzung, wertschätzende Diskussion. Damit Sprachfähigkeit im Glauben passieren kann, damit wir im Zweifel füreinander einstehen können. Und wichtiger noch: „Ich bin überzeugt, dass tiefe Gespräche und das Reflektieren des eigenen Glaubens zu einer größeren Verbundenheit mit Gott führen.“
„Dive Deep“ stellt Fragen, die tief gehen. Es bietet praktische Anleitungen, Methoden und Ideen für die Umsetzung in der Gruppe oder allein. Ein bisschen christliches Vorwissen braucht es aber. Für eine Gesprächskultur, die nicht nur „richtig“ oder „falsch“ kennt, gibt es wertvolle und hilfreiche Tipps. So kann man sich auch nach Diskussionen, die hitzig ausfallen, hinterher noch auf das besinnen, was uns eint.
Du möchtest mehr über Dive Deep erfahren? Unter diesem Link findest du alle Infos.
Du möchtest mehr darüber lesen, wieso Alicia Meinel „Dive Deep“ entwickelt hat? Den ganzen Artikel findest du in der PlusPunkt-Ausgabe Frühjahr 2026. Über diesen Link kommst du zum Magazin.